Interne Verlinkung entscheidet, ob jemand nach dem Lesen weiterkommt oder wieder zur Suche zurückgeht. Statt Links nachträglich einzustreuen, planst du besser pro Seitentyp, wohin der nächste sinnvolle Schritt führt. Das hilft Lesenden – und macht deine Struktur nebenbei nachvollziehbar.
Die kurze Antwort: Denk in Wegen, nicht in Linkzahlen
Die nützlichste Frage bei interner Verlinkung lautet nicht, wie viele Links eine Seite braucht, sondern: Was will jemand direkt nach dem Lesen dieser Seite tun? Wer einen Ratgeber zu einem Problem liest, will meist entweder tiefer einsteigen oder wissen, wer das Problem löst. Wer eine Leistungsseite liest, will Beispiele, Ablauf oder Kontakt. Wenn du diese Anschlussfrage pro Seite beantwortest, ergibt sich die Verlinkung fast von selbst – und du sparst dir lange Listen verwandter Beiträge, die kaum angeklickt werden.
Technisch gilt eine schlichte Voraussetzung: Ein Link muss ein echtes a-Element mit href-Attribut sein, damit er verfolgt werden kann, und beschreibender Linktext gibt Orientierung darüber, was auf der Zielseite wartet (Google zu crawlbaren Links). Klickbare Elemente, die nur per JavaScript reagieren, sehen für Menschen aus wie Links, verhalten sich aber nicht so.
Linktexte, die etwas verraten
Ein guter Linktext beschreibt das Ziel so, dass man auch ohne umgebenden Satz ungefähr weiß, was kommt. Formulierungen wie hier klicken oder mehr erfahren zwingen dazu, den Kontext mitzulesen, und sind für Menschen mit Screenreader besonders unpraktisch, weil Links dort oft als Liste ausgegeben werden. Ebenso wenig hilft das andere Extrem: derselbe exakte Suchbegriff in jedem Link, bis der Text unnatürlich klingt. Schreib den Linktext so, wie du die Zielseite jemandem im Gespräch beschreiben würdest.
Wichtig ist auch die Position. Ein Link mitten im Absatz, an genau der Stelle, an der die Frage auftaucht, wird eher genutzt als eine Sammlung am Seitenende. Deshalb lohnt es sich, beim Schreiben auf Stellen zu achten, an denen du selbst gerade etwas voraussetzt – dort gehört der Verweis hin. Wenn du dabei merkst, dass eine Zielseite fehlt, ist das ein Hinweis auf eine inhaltliche Lücke und ein typischer Befund im SEO-Audit.
Ein Raster pro Seitentyp
Statt jede Seite einzeln zu betrachten, definierst du einmal pro Seitentyp, wohin verlinkt wird. Das macht die Arbeit wiederholbar und verhindert, dass neue Beiträge unverbunden stehen bleiben. Das folgende Raster kannst du für deine eigene Website anpassen.
| Seitentyp | Wohin verlinken | Wovon verlinkt werden |
|---|---|---|
| Grundlagenartikel | Zwei bis drei vertiefende Beiträge, eine passende Leistungsseite | Neuere Beiträge zum selben Thema, Navigation oder Themenübersicht |
| Vertiefender Ratgeber | Grundlagenartikel zur Einordnung, ein benachbartes Detailthema | Grundlagenartikel, thematisch angrenzende Beiträge |
| Leistungsseite | Passende Ratgeber als Beleg, konkrete Anwendungsbeispiele | Ratgeber der eigenen Themenwelt, Navigation, Startseite |
| Fallbeispiel oder Referenz | Die dazugehörige Leistungsseite, ein erklärender Beitrag | Leistungsseite, Übersichtsseite |
| Kontakt oder Anfrage | Nur zurück in relevante Bereiche, keine Weiterleitung in Nebenthemen | Alle Seiten mit Handlungsabsicht |
Verwaiste und überlastete Seiten finden
Zwei Auffälligkeiten lohnen die Suche. Erstens verwaiste Seiten: Sie existieren, sind aber von keiner anderen Seite verlinkt und tauchen höchstens in der Sitemap auf. Solche Seiten werden schlecht gefunden und wirken oft vergessen – zu Recht, denn meist sind sie es. Zweitens überlastete Seiten: eine Startseite oder Übersicht, die auf achtzig Ziele verweist, gibt keine Orientierung mehr. Kürzen ist hier meist eine Verbesserung, weil die verbleibenden Wege deutlicher werden.
Beides findest du mit einem einfachen Crawl deiner Website, indem du die Liste der gecrawlten URLs mit deinem Seitenverzeichnis vergleichst. Wenn dabei Seiten auftauchen, die aus technischen Gründen unerreichbar sind, gehört das zum Feld aus Technisches SEO: Crawling, Indexierung und saubere URLs – die Grenze zwischen Struktur und Technik ist an dieser Stelle fließend.
Fiktives Beispiel: der Ratgeber, der ins Leere führt
Nimm eine erfundene Steuerkanzlei mit einem gut gelesenen Beitrag über die erste Anstellung im eigenen Betrieb. Der Text erklärt Meldepflichten und endet mit einem allgemeinen Kontakt-Button. In diesem hypothetischen Fall stellt sich beim Nachlesen heraus: Die Kanzlei hat eine eigene Seite zur Lohnbuchhaltung, die im Beitrag nirgends erwähnt wird, und einen zweiten Beitrag zu Minijobs, der genau die Anschlussfrage beantwortet. Zwei Links an den richtigen Absätzen – einer bei der Frage nach der monatlichen Abrechnung, einer bei der Erwähnung geringfügiger Beschäftigung – ändern die Seite inhaltlich kaum, machen aber aus einer Sackgasse einen Weg. Genau dieselbe Logik gilt für bezahlte Einstiege, wo der Anschluss noch enger geführt wird; dazu passt Landingpage-Aufbau: Von der Anzeige zur passenden Anfrage.
Grenzen und häufige Übertreibungen
Interne Verlinkung ordnet und leitet, sie erzeugt keine Nachfrage. Wenn zu einem Thema niemand sucht, hilft auch die beste Struktur nicht. Ebenso wenig gibt es eine ideale Linkzahl pro Seite oder eine Verteilung, die Rankings garantiert – solche Zahlen kursieren, sind aber nicht belegbar. Und automatische Verlinkung nach Stichwort führt regelmäßig zu absurden Ergebnissen, weil dasselbe Wort in unterschiedlichen Bedeutungen vorkommt. Wir empfehlen deshalb, Links redaktionell zu setzen und höchstens Vorschläge automatisiert zu erzeugen.
Sinnvoller nächster Schritt
Nimm deine fünf meistgelesenen Seiten und schreib zu jeder auf, was jemand danach vermutlich wissen will. Prüfe dann, ob genau dorthin ein Link führt, an der passenden Stelle im Text. Das ist eine Aufgabe für einen Nachmittag und verändert oft mehr als eine große Strukturdiskussion. Wenn du die Themenwelt insgesamt neu ordnen willst, lohnt der Blick von außen durch eine SEO-Agentur, weil man die eigenen Wege nach Jahren kaum noch unvoreingenommen sieht.
Struktur, die Lesende weiterbringt
Wenn deine Inhalte gut sind, aber niemand vom Ratgeber zur passenden Leistung findet, schauen wir uns die Wege gemeinsam an.
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